Wurmkur beim Hund: Wie oft, wann & welche Entwurmung ist richtig?
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Wurmkur beim Hund – unterschätzte Pflicht!
Würmer sind nicht nur für Ihren Hund gefährlich, sondern können auch auf Menschen übertragen werden! Besonders Kinder sind gefährdet. Eine regelmäßige Entwurmung ist daher nicht nur Tierschutz, sondern auch Gesundheitsschutz für die ganze Familie.
Unsicher bei der Wurmkur? Rufen Sie uns an: 05251/8786101
Wie oft muss ich meinen Hund entwurmen? Welche Wurmkur ist die richtige? Und sind Würmer wirklich so gefährlich? Diese Fragen stellen sich viele Hundebesitzer. Als Tierärztin in Paderborn berate ich täglich zur Entwurmung – und weiß: Hier herrscht viel Unsicherheit!
In diesem Artikel erkläre ich Ihnen genau, wie oft Sie Ihren Hund entwurmen sollten, welche Wurmarten es gibt, welche Wurmkur am besten wirkt und wann Sie unbedingt zum Tierarzt müssen. Mit dem richtigen Entwurmungsplan schützen Sie Ihren Hund – und Ihre Familie!
Warum muss ich meinen Hund überhaupt entwurmen?
Würmer sind Parasiten, die im Darm (manchmal auch in anderen Organen) des Hundes leben. Sie entziehen dem Körper Nährstoffe, schädigen die Darmwand und können – besonders bei Welpen und alten Hunden – lebensbedrohlich werden.
Zoonose-Gefahr – Würmer können auf Menschen übertragen werden!
Besonders gefährlich:
- Spulwürmer: Können beim Menschen Organschäden verursachen (v.a. Leber, Lunge, Augen!)
- Fuchsbandwurm: Sehr selten, aber extrem gefährlich – kann tödlich verlaufen
- Hakenwürmer: Können Hautausschlag beim Menschen verursachen
Gefährdet sind besonders: Kinder, Schwangere, immungeschwächte Personen
Die 5 häufigsten Wurmarten beim Hund
1. Spulwürmer (Toxocara canis)
HÄUFIGSTE Wurmart beim Hund!
Besonderheiten:
- Fast ALLE Welpen sind infiziert (Übertragung bereits im Mutterleib!)
- Bis zu 20 cm lange, weiße Würmer (sehen aus wie Spaghetti)
- Hochgradig ansteckend für Mensch und Tier
- Larven können jahrelang im Körper überdauern
Symptome: Aufgeblähter Bauch, Erbrechen, Durchfall, stumpfes Fell, Gewichtsverlust, bei Welpen Wachstumsstörungen
2. Hakenwürmer (Ancylostoma caninum)
Besonderheiten:
- Blutsaugende Würmer! Können schwere Anämie (Blutarmut) verursachen
- Nur 1-2 cm klein, daher oft übersehen
- Besonders gefährlich bei Welpen (lebensbedrohlich!)
- Können durch Haut eindringen (z.B. beim Liegen auf kontaminiertem Boden)
Symptome: Blasser Kot (teerfarbig bei starkem Befall), Blasse Schleimhäute, Schwäche, Abmagerung, bei Welpen oft tödlich
3. Bandwürmer (Dipylidium, Taenia, Echinococcus)
Besonderheiten:
- Übertragung meist durch Flöhe (Hund schluckt Floh → bekommt Bandwurm)
- Können mehrere Meter lang werden!
- Bandwurmglieder (sehen aus wie Reiskörner) oft am After oder im Kot sichtbar
- Fuchsbandwurm: Sehr selten, aber extrem gefährlich für Menschen!
Symptome: „Schlittenfahren" (Rutschen auf dem Po), Juckreiz am After, Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, Reiskorn-artige Glieder im Kot
4. Peitschenwürmer (Trichuris vulpis)
Besonderheiten:
- Leben im Dickdarm, bohren sich in die Darmwand
- Eier extrem widerstandsfähig (überleben jahrelang in der Umwelt!)
- Schwer zu behandeln – mehrfache Entwurmung nötig
Symptome: Chronischer, oft blutiger Durchfall, Gewichtsverlust, Austrocknung
5. Lungenwürmer (Angiostrongylus vasorum)
Besonderheiten:
- Leben in Herzgefäßen und Lunge (nicht im Darm!)
- Übertragung durch Schnecken, Frösche oder kontaminiertes Wasser
- In Deutschland zunehmend verbreitet!
- Können tödlich sein
Symptome: Husten, Atemnot, Leistungsschwäche, Blutgerinnungsstörungen (spontane Blutungen!)
Wurmkur beim Hund: Wie oft entwurmen?
Die Häufigkeit der Entwurmung hängt vom individuellen Risiko Ihres Hundes ab. Es gibt keine pauschale Antwort!
Entwurmungs-Empfehlungen nach Risiko:
WELPEN (bis 6 Monate):
- Erste Entwurmung mit 2 Wochen
- Dann alle 2 Wochen bis 2 Wochen nach letzter Muttermilchaufnahme
- Ab 3. Monat: monatlich bis 6. Monat
NIEDRIGES RISIKO (Familienhund, kein Freilauf):
- 4x pro Jahr (alle 3 Monate)
- Oder: 2x jährlich Entwurmung + Kotuntersuchungen dazwischen
MITTLERES RISIKO (gelegentlicher Freilauf, Kontakt zu anderen Hunden):
- 6-12x pro Jahr (alle 1-2 Monate)
HOHES RISIKO:
- Jagdhunde
- Hunde mit unbeaufsichtigtem Auslauf
- Kontakt zu kleinen Kindern/Kranken
- Hunde, die Aas/Kot fressen
- Mehrhundehaushalte
Empfehlung: MONATLICH entwurmen!
Alternative: Kotuntersuchung statt Wurmkur
Statt „blind" zu entwurmen, können Sie auch regelmäßig Kotproben untersuchen lassen (Sammelkotprobe über 3 Tage). Vorteil: Sie geben nur Wurmkur, wenn wirklich Wurmbefall vorliegt.
Nachteil: Wurmeier werden nicht kontinuierlich ausgeschieden – ein negativer Test bedeutet nicht 100% „wurmfrei". Bei hohem Risiko trotzdem regelmäßig entwurmen!
Welche Arten von Wurmkuren gibt es?
Wurmkur-Darreichungsformen im Vergleich:
1. TABLETTEN
- ✅ Häufigste Form, sehr wirksam
- ✅ Breites Wirkspektrum (Spul-, Haken-, Band-, Peitschenwürmer)
- ✅ Günstig
- ❌ Manche Hunde verweigern Tabletten
- ❌ Genaue Dosierung nötig (nach Gewicht!)
2. SPOT-ON (Tropfen auf die Haut)
- ✅ Einfache Anwendung (auf Nacken träufeln)
- ✅ Gut für „Tabletten-Verweigerer"
- ❌ Wirkt NICHT gegen Bandwürmer!
- ❌ Teurer als Tabletten
- ❌ 24h nicht baden/schwimmen nach Anwendung
3. PASTE
- ✅ Sehr gut dosierbar (ideal für kleine Hunde/Welpen)
- ✅ Einfache Gabe (direkt ins Maul oder übers Futter)
- ✅ Breites Wirkspektrum
- ❌ Manche Hunde mögen den Geschmack nicht
4. INJEKTIONEN (nur beim Tierarzt)
- ✅ 100% Sicherheit, dass Wirkstoff ankommt
- ✅ Gut bei sehr widerspenstigen Hunden
- ❌ Nur beim Tierarzt möglich
- ❌ Teurer
WICHTIG: Dosierung!
Wiegen Sie Ihren Hund vor jeder Entwurmung! Zu niedrige Dosis = Würmer überleben. Zu hohe Dosis = Nebenwirkungen möglich. Besonders bei wachsenden Welpen ändert sich das Gewicht schnell!
Welche Wirkstoffe gibt es?
Die wichtigsten Wirkstoffe in Wurmkuren:
- Fenbendazol: Breitbandwurmmittel gegen Spul-, Haken-, Peitschenwürmer + Giardien
- Praziquantel: Speziell gegen BANDWÜRMER
- Pyrantel: Gegen Spul- und Hakenwürmer
- Milbemycinoxim: Gegen Spul-, Haken-, Lungenwürmer + Herzwurm-Prophylaxe
- Moxidectin: Gegen viele Wurmarten + Flöhe (in Kombipräparaten)
Kombipräparate (z.B. mit Praziquantel + Pyrantel) decken das breiteste Spektrum ab – ideal für die Routine-Entwurmung!
Symptome: Woran erkenne ich Wurmbefall beim Hund?
Typische Anzeichen für Würmer:
- Sichtbare Würmer oder Wurmglieder im Kot oder am After (wie Reiskörner bei Bandwurm)
- Aufgeblähter Bauch bei sonst magerem Körper (typisch bei Welpen mit Spulwürmern!)
- Erbrechen – manchmal mit Würmern!
- Durchfall (mit/ohne Blut)
- Gewichtsverlust trotz normalem/gutem Appetit
- Stumpfes, struppiges Fell
- "Schlittenfahren" – Rutschen mit dem Po über den Boden (Juckreiz am After)
- Husten (bei Lungenwürmern!)
- Blasse Schleimhäute (bei Hakenwurm-Befall durch Blutverlust)
- Appetitlosigkeit, Lethargie
NOTFALL – Sofort zum Tierarzt:
- Welpe erbricht Würmer oder hat massiven Wurmbefall
- Blutiger Durchfall
- Kollaps, extreme Schwäche
- Atemnot, starker Husten (Verdacht auf Lungenwurm!)
- Spontane Blutungen (Nase, Zahnfleisch)
ABER: Viele Hunde mit Wurmbefall zeigen KEINE Symptome! Deshalb ist vorbeugende Entwurmung so wichtig.
Wurmkur richtig anwenden – So geht's:
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Hund wiegen: Genaue Dosierung ist entscheidend!
- Richtige Wurmkur wählen: Breitband-Präparat für Routine-Entwurmung
- Tablette geben:
- Direkt ins Maul (weit hinten auf Zunge legen, Maul zuhalten, Nase hochhalten, sanft Hals streicheln bis geschluckt)
- Oder: In Leckerli/Leberwurst verstecken
- Oder: Mit Futterball/Tablet-Pockets
- Kontrollieren: Hat Hund Tablette wirklich geschluckt? (Manche Hunde spucken sie heimlich aus!)
- Bei Mehrhundehaltern: Alle Hunde gleichzeitig entwurmen!
- Kot in den nächsten 24h beobachten: Würmer können ausgeschieden werden (normal!)
Profi-Tipp bei Tabletten-Verweigerern:
Tablette mörsern, mit etwas Wasser zu Paste verrühren, mit Spritze (ohne Nadel!) seitlich ins Maul geben. Oder: Tablette in Butter/Leberwurst einwickeln und als „Leckerli" geben (funktioniert bei 90% der Hunde!).
Nebenwirkungen von Wurmkuren
Moderne Wurmkuren sind sehr gut verträglich. Gelegentlich können auftreten:
- Leichter Durchfall (1-2 Tage)
- Erbrechen (selten)
- Appetitlosigkeit für 1-2 Tage
- Müdigkeit
Wichtig: Diese Symptome verschwinden normalerweise innerhalb von 24-48 Stunden. Wenn nicht → Tierarzt kontaktieren!
Vorsicht bei bestimmten Rassen!
Collies, Australian Shepherds, Shelties und verwandte Rassen können einen MDR1-Gendefekt haben. Bei diesem Defekt können bestimmte Wirkstoffe (z.B. Ivermectin) schwere Nebenwirkungen verursachen!
Lösung: Gentest machen lassen oder auf ivermectin-freie Wurmkuren ausweichen (z.B. Milbemycinoxim ist sicher).
Kann ich natürliche Wurmkuren verwenden?
Ehrliche Tierarzt-Meinung zu „natürlichen" Wurmkuren:
Knoblauch, Kürbiskerne, Karotten, Kokosöl, Kräuter:
- ❌ NICHT wissenschaftlich als Wurmkur bewiesen!
- ❌ Können Wurmbefall NICHT zuverlässig behandeln
- ❌ Knoblauch ist für Hunde in größeren Mengen sogar GIFTIG!
Fazit: Natürliche Mittel können ergänzend zur Darmgesundheit beitragen, ersetzen aber KEINE wirksame Wurmkur! Verlassen Sie sich nicht darauf – besonders bei Welpen oder hohem Infektionsrisiko.
Kosten einer Wurmkur
Die Kosten variieren je nach Präparat und Hundegröße. Alle tierärztlichen Leistungen werden nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) abgerechnet. Gerne beraten wir Sie zu den verschiedenen Wurmkur-Optionen und erstellen Ihnen einen Kostenvoranschlag!
Häufige Fragen zur Wurmkur beim Hund
Das hängt vom Risiko ab! Ein Familienhund mit wenig Freilauf: 4x/Jahr reicht. Jagdhunde oder Hunde mit viel Kontakt zu Wildtieren: MONATLICH! Wichtig: Würmer sind auch eine Gesundheitsgefahr für Menschen (besonders Kinder). Regelmäßige Entwurmung ist also nicht nur für den Hund wichtig.
Ja, das funktioniert oft gut! Tablette ins Futter mischen oder in Leckerli verstecken. ABER: Kontrollieren Sie, ob der Hund alles gefressen hat! Manche Hunde fressen drum herum. Bei „Futter-Verweigerern" lieber direkt ins Maul geben oder Paste/Spot-on verwenden.
Ja, das kann vorkommen. Leichter Durchfall für 1-2 Tage ist eine normale Nebenwirkung. Der Körper scheidet die abgetöteten Würmer aus. Auch Erbrechen kann auftreten. ABER: Wenn Durchfall länger als 2 Tage anhält, blutig ist oder Ihr Hund sehr schwach wirkt → Tierarzt kontaktieren!
Die meisten Wurmkuren wirken NICHT vorbeugend! Sie töten nur die Würmer, die zum Zeitpunkt der Gabe im Hund sind. Ausnahme: Einige Spot-on-Präparate (z.B. mit Moxidectin) haben eine gewisse Langzeitwirkung. Ihr Hund kann sich also schon am nächsten Tag wieder mit Würmern infizieren – deshalb regelmäßig wiederholen!
Ja, das ist eine gute Alternative! Sammelkotprobe über 3 Tage abgeben → Labor untersucht auf Wurmeier. Vorteil: Sie entwurmen nur bei Bedarf. Nachteil: Wurmeier werden nicht kontinuierlich ausgeschieden – negativer Test = nicht 100% wurmfrei. Bei hohem Risiko (Jagdhund, Kontakt zu Kindern) trotzdem lieber regelmäßig entwurmen!
Nein, zu früh! Erste Entwurmung mit 2 Wochen. Aber: Fast alle Welpen sind mit Spulwürmern infiziert (Übertragung bereits im Mutterleib!). Deshalb ist frühe Entwurmung extrem wichtig. Ab der 2. Lebenswoche dann alle 2 Wochen bis 2 Wochen nach letzter Muttermilch. Lassen Sie sich vom Züchter einen Entwurmungsplan zeigen!
Nicht direkt – aber indirekt, ja! Hund scheidet Wurmeier aus → andere Hunde nehmen diese beim Schnüffeln/Lecken am Boden auf. Deshalb: Bei Mehrhundehaushalten ALLE Hunde gleichzeitig entwurmen! Auch Welpen können Mutter/Geschwister anstecken.
Ja, vorbeugend! Die meisten wurminfizierten Hunde zeigen KEINE Symptome. Man sieht nicht, ob Würmer da sind. Wurmeier sind mikroskopisch klein – im Kot nicht sichtbar. Erst bei massivem Befall werden Würmer ausgeschieden. Deshalb: Lieber regelmäßig entwurmen, bevor es zum Problem wird!
Fragen zur Wurmkur? Wir beraten Sie!
Sie sind unsicher, welche Wurmkur für Ihren Hund die richtige ist oder wie oft Sie entwurmen sollten? Wir erstellen gerne einen individuellen Entwurmungsplan für Ihren Vierbeiner!
Kleintierpraxis Paderborn:
05251/8786101
klinik.dk@gmx.de
Mo-Fr: 10-11:30 & 17-19 Uhr | Sa: 11-12 Uhr
Denken Sie daran: Regelmäßige Entwurmung schützt nicht nur Ihren Hund, sondern die ganze Familie. Welpen müssen besonders häufig entwurmt werden – sprechen Sie uns an!
Ihre Tierärztin Dorothea Kornat
Kleintierpraxis Paderborn