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Arthrose beim Hund: Symptome erkennen, behandeln & Schmerzen lindern

11. April 2026 Tierärztin Dorothea Kornat 12 Min. Lesezeit
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Foto: Freepik

Arthrose: Häufig, aber gut behandelbar!

Über 20 % aller Hunde leiden an Arthrose – viele davon, ohne dass es ihre Besitzer merken! Denn Hunde zeigen Schmerzen oft nicht offen. Schon frühe Anzeichen wie Steifheit nach dem Aufstehen oder weniger Freude an Bewegung sollten ernst genommen werden.

Ihr Hund bewegt sich auffällig steif oder zögerlich? Rufen Sie uns an: 05251/8786101

Ihr Hund steht morgens steif auf? Hinkt nach dem Spaziergang? Traut sich kaum mehr die Treppe hoch? Das können deutliche Zeichen einer Arthrose sein! Als Tierärztin in Paderborn sehe ich regelmäßig Hunde mit Gelenkproblemen – und weiß: Mit der richtigen Therapie lässt sich die Lebensqualität Ihres Hundes deutlich verbessern.

In diesem Artikel erkläre ich Ihnen, was Arthrose beim Hund ist, wie Sie sie frühzeitig erkennen und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Denn obwohl Arthrose nicht heilbar ist, muss Ihr Hund nicht leiden!

Was ist Arthrose beim Hund?

Arthrose (medizinisch: Osteoarthrose) ist eine chronische, degenerative Gelenkerkrankung. Dabei baut sich der schützende Knorpel in den Gelenken langsam ab. Ohne diesen Puffer reiben Knochen direkt aufeinander – das verursacht Schmerzen, Entzündungen und schränkt die Beweglichkeit ein.

Arthrose vs. Arthritis – was ist der Unterschied?

  • Arthrose: Verschleiß des Knorpels, meist altersbedingt oder durch Überlastung. Chronisch, schreitet langsam fort.
  • Arthritis: Entzündung im Gelenk, oft durch Infektionen oder Autoimmunerkrankungen. Kann in jedem Alter auftreten.
  • Wichtig: Arthrose führt häufig sekundär zu Arthritis – beides kann gleichzeitig vorliegen!

Am häufigsten betroffen sind: Hüftgelenke, Kniegelenke (Kniescheibe, Kreuzbandbereich), Ellenbogen, Schultern und die Wirbelsäule. Arthrose kann ein einzelnes oder mehrere Gelenke gleichzeitig betreffen.

Symptome: So erkennen Sie Arthrose beim Hund

Hunde zeigen Schmerzen instinktiv wenig – ein Überbleibsel aus der Wildnis, wo Schwäche gefährlich wäre. Deshalb ist Arthrose oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkennbar. Achten Sie auf diese Zeichen:

Typische Anzeichen einer Arthrose:

  • Steifheit nach dem Aufstehen: Besonders morgens oder nach längerem Liegen – der Hund „läuft sich erst ein"
  • Lahmheit oder Hinken: Schont ein Bein, setzt es weniger auf oder hebt es beim Gehen
  • Weniger Bewegungsfreude: Mag nicht mehr so weit laufen, bleibt lieber liegen, verweigert Sprünge
  • Probleme beim Treppensteigen: Zögert, weicht aus oder braucht Hilfe
  • Schwierigkeiten beim Hinlegen/Aufstehen: Stöhnen, vorsichtige Bewegungen, sucht sich flache Unterlagen
  • Verändertes Verhalten: Gereizter, weniger verspielt, zieht sich zurück
  • Lecken oder Kauen an Gelenken: Besonders an Pfoten, Knien oder Ellenbogen
  • Sichtbare Gelenkschwellungen: Gelenke fühlen sich warm an oder sind verdickt
  • Muskelschwund: Muskulatur um betroffene Gelenke nimmt ab, weil der Hund diese schont

Achtung: Schleichender Beginn!

Arthrose entwickelt sich über Monate bis Jahre. Viele Besitzer gewöhnen sich unbewusst an die Veränderungen ihres Hundes und merken erst spät, wie stark er leidet. Vergleichen Sie das aktuelle Verhalten Ihres Hundes mit dem von vor einem Jahr – ist er weniger aktiv, weniger verspielt, weniger bewegungsfreudig? Dann lohnt sich eine tierärztliche Untersuchung.

Ursachen: Warum bekommt ein Hund Arthrose?

Häufige Ursachen für Arthrose beim Hund:

  1. Alter:
    • Häufigste Ursache – mit zunehmendem Alter nutzt sich der Knorpel ab
    • Ab ca. 7 Jahren steigt das Risiko deutlich
    • Große Rassen altern schneller als kleine
  2. Übergewicht:
    • Jedes Extra-Kilo belastet die Gelenke enorm
    • Übergewicht ist einer der wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren
    • Übergewichtige Hunde erkranken früher und schwerer
  3. Gelenkfehlstellungen (z. B. Hüftdysplasie HD, Ellenbogendysplasie ED):
    • Häufig bei Deutschen Schäferhunden, Retrievern, Rottweiler
    • Fehlstellung führt zu ungleichmäßigem Abrieb des Knorpels
    • Früherkennung und Behandlung können Arthroseentwicklung verlangsamen
  4. Verletzungen und Operationen:
    • Kreuzbandriss, Frakturen, Luxationen
    • Selbst nach erfolgreicher Heilung erhöhtes Arthroserisiko
  5. Rasse und Genetik:
    • Große und schwere Rassen häufiger betroffen (Labrador, Golden Retriever, Berner Sennenhund, Deutscher Schäferhund)
    • Aber: Arthrose kann jeden Hund treffen, unabhängig von Größe und Rasse
  6. Übermäßige Belastung in jungen Jahren:
    • Zu langes Joggen oder intensive Sprungübungen bei Welpen
    • Knochen und Knorpel sind noch nicht ausgewachsen und anfällig

Diagnose: Wie stellt der Tierarzt Arthrose fest?

Ein konkreter Verdacht auf Arthrose ergibt sich oft schon aus dem Gespräch über die Symptome Ihres Hundes und einer gründlichen klinischen Untersuchung. Zur Bestätigung und Einschätzung des Ausmaßes setzen wir weitere Diagnostik ein:

  • Klinische Untersuchung: Abtasten der Gelenke, Beurteilung von Bewegungsumfang, Schmerzhaftigkeit und Muskulatur
  • Ganganalyse: Beobachtung des Hundes beim Laufen – Lahmheit, Schonhaltung, Steifheit
  • Röntgenaufnahmen: Zeigen Gelenkveränderungen wie Knorpelverlust, Knochenzubildungen (Osteophyten) und Gelenkspaltverschmälerung
  • Ultraschall: Beurteilung von Gelenkflüssigkeit und umliegendem Gewebe
  • Blutuntersuchung: Zum Ausschluss anderer Erkrankungen (z. B. Rheuma, Infektionen)

Tipp: Frühzeitig untersuchen lassen!

Je früher Arthrose erkannt wird, desto mehr können wir verlangsamen. Besonders bei großen Rassen und Hunden ab 6 Jahren empfehlen wir regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen – auch wenn noch keine Symptome sichtbar sind. Veränderungen im Röntgenbild zeigen sich oft, bevor der Hund Schmerzen hat.

Behandlung: Was hilft bei Arthrose beim Hund?

Arthrose ist nicht heilbar – einmal verlorener Knorpel wächst nicht nach. Aber: Mit einer guten Therapie lässt sich der Verlauf deutlich verlangsamen, Schmerzen lindern und die Lebensqualität Ihres Hundes langfristig erhalten. Die Behandlung ist immer individuell und kombiniert mehrere Ansätze.

1. Schmerztherapie

Schmerzen sind das Hauptproblem bei Arthrose. Gut eingestellte Schmerztherapie ist entscheidend – ein schmerzfreier Hund bewegt sich mehr, was die Muskeln stärkt und die Gelenke stabilisiert.

  • Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAIDs): Bewährte tierärztliche Medikamente, die Schmerz und Entzündung reduzieren. Dosierung und Auswahl richten sich nach dem Hund, Begleiterkrankungen werden berücksichtigt.
  • Injektionstherapie: Knorpelschützende Wirkstoffe können direkt ins Gelenk oder als Infusion gegeben werden.
  • Ergänzende Schmerztherapie: In fortgeschrittenen Fällen können weitere Wirkstoffe kombiniert werden.

Die Kosten für die Schmerztherapie richten sich nach der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte). Sprechen Sie uns gern auf eine individuelle Kosteneinschätzung an.

NIEMALS Schmerzmittel für Menschen geben!

Ibuprofen, Paracetamol und Aspirin sind für Hunde GIFTIG! Sie können zu schweren Nieren- und Leberschäden oder Magenblutungen führen – auch in kleinen Mengen. Nur vom Tierarzt verschriebene Medikamente sind für Hunde geeignet!

2. Physiotherapie & Bewegung

Kontrollierte, regelmäßige Bewegung ist bei Arthrose wichtig – nicht zu viel, nicht zu wenig!

Richtige Bewegung bei Arthrose:

  • Kurze, häufige Spaziergänge statt langer, erschöpfender Touren
  • Gleichmäßiges Tempo – kein abruptes Rennen oder Springen
  • Schwimmen: Ideal! Gelenkschonend und stärkt die Muskulatur (nur bei warmem Wasser)
  • Hydrotherapie (Unterwasserlaufband): Sehr effektiv, entlastet die Gelenke beim Laufen
  • Physiotherapeutische Übungen: Gezielte Muskelaufbauübungen, Massagen, Wärme-/Kältetherapie
  • Tägliche Routine: Regelmäßigkeit hilft mehr als sporadisch intensive Belastung

3. Ernährung & Nahrungsergänzung

Was Ihr Hund frisst, beeinflusst seine Gelenke direkt:

  • Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht ist Abnehmen die wirksamste Einzelmaßnahme. Jedes gesparte Kilo entlastet die Gelenke erheblich.
  • Omega-3-Fettsäuren: Haben entzündungshemmende Wirkung. Gute Quellen: Lachsöl, Fischöl. Als Zusatz zum Futter oder über Spezialfutter.
  • Glucosamin & Chondroitin: Natürliche Knorpelbausteine – können den Knorpelabbau verlangsamen.
  • Spezielles Gelenkfutter: Viele Hersteller bieten orthopädische Diätfutter an, die mehrere dieser Wirkstoffe kombinieren.
  • Teufelskralle & Grünlippmuschel: Pflanzliche Präparate mit entzündungshemmenden Eigenschaften – sprechen Sie uns auf die richtige Anwendung an.

4. Optimale Haltung zu Hause

Mit kleinen Anpassungen im Alltag können Sie Ihrem Hund das Leben deutlich erleichtern:

So helfen Sie Ihrem Hund zu Hause:

  • Orthopädische Schlafmatte: Weiche, gut gepolsterte Unterlage schont die Gelenke beim Liegen und Aufstehen
  • Rutschfeste Böden: Teppiche oder Matten auf Parkett und Fliesen – Ausrutschen belastet Gelenke stark
  • Rampen statt Treppen: Für Couch, Auto und Treppen – reduziert Sprungbelastung erheblich
  • Erhöhter Futternapf: Erleichtert das Fressen ohne starkes Herunterbeugen – besonders bei Schulter- und Wirbelsäulenarthrose
  • Wärme: Wärme lockert Muskeln und lindert Gelenkschmerzen. Ein warmes Schlafplätzchen, weg von Zugluft und kaltem Fußboden
  • Wärmedecken oder -kissen: Speziell für Hunde geeignete Wärmequellen, nicht zu heiß
  • Kein langes Liegen auf harten Unterlagen: Begünstigt Druckstellen und verstärkt die Steifheit

5. Operative Möglichkeiten

In bestimmten Fällen kann ein chirurgischer Eingriff sinnvoll sein – zum Beispiel bei zugrunde liegenden Fehlstellungen, bei denen eine Korrektur den Gelenkverschleiß verlangsamt, oder bei schweren Arthrosen, bei denen eine Gelenksversteifung (Arthrodese) die Schmerzen dauerhaft beseitigt. Dies wird im Einzelfall entschieden und besprochen.

Häufige Fragen zu Arthrose beim Hund

Kann Arthrose beim Hund geheilt werden?

Nein – einmal zerstörter Knorpel wächst nicht nach. Arthrose ist eine chronische, fortschreitende Erkrankung. Das bedeutet aber nicht, dass Ihr Hund leiden muss! Mit einer guten Kombination aus Schmerztherapie, Physiotherapie, Ernährung und Haltungsanpassungen können die meisten Hunde ein aktives, beschwerdefreies oder -armes Leben führen. Ziel ist es, den Verlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten.

In welchem Alter bekommen Hunde Arthrose?

Das hängt stark von Rasse, Größe und individuellen Faktoren ab. Große Rassen (Labrador, Schäferhund, Berner Sennenhund) können schon ab 5-6 Jahren erste Anzeichen zeigen. Bei kleinen Rassen tritt Arthrose häufiger erst ab 8-10 Jahren auf. Hunde mit Hüft- oder Ellenbogendysplasie, Übergewicht oder Verletzungen sind früher betroffen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ab dem Seniorenalter sind daher empfehlenswert.

Darf ein Hund mit Arthrose noch spazieren gehen?

Ja, unbedingt! Bewegung ist wichtig – aber die richtige Art von Bewegung. Kurze, häufige Spaziergänge auf weichem Untergrund sind ideal. Ausgedehnte Wanderungen, abrupte Sprünge oder intensive Rennerei sollten vermieden werden. Faustregel: Wenn der Hund nach dem Spaziergang stark hinkt oder sich steifer als vorher zeigt, war es zu viel. Passen Sie die Länge und Intensität regelmäßig an den aktuellen Zustand Ihres Hundes an.

Helfen Nahrungsergänzungsmittel wirklich bei Arthrose?

Präparate wie Glucosamin, Chondroitin, Omega-3-Fettsäuren und Grünlippmuschel-Extrakt können den Knorpelstoffwechsel unterstützen und Entzündungen reduzieren. Die Wirkung ist bei regelmäßiger, langfristiger Gabe am stärksten – erwarten Sie keine schnellen Wunder. Wichtig: Sprechen Sie uns vor der Gabe an, damit wir das geeignete Präparat und die richtige Dosierung für Ihren Hund empfehlen können. Nicht alle Produkte sind gleich gut.

Muss ein Hund mit Arthrose dauerhaft Schmerzmittel nehmen?

Das ist individuell sehr unterschiedlich. In frühen Stadien kann eine Kombination aus Physiotherapie, Gewichtsmanagement und Nahrungsergänzung ausreichen. In fortgeschrittenen Fällen oder bei starken Schmerzen ist eine dauerhafte Schmerzmedikation oft notwendig und sinnvoll – sie ermöglicht dem Hund ein aktives Leben. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um die Medikation anzupassen und Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

Ist Schwimmen gut bei Hunde-Arthrose?

Ja – Schwimmen ist ideal! Im Wasser werden die Gelenke kaum belastet, während die Muskeln trotzdem trainiert werden. Gut entwickelte Muskulatur stabilisiert die Gelenke und entlastet den Knorpel. Wichtig: Nur in warmem Wasser (nicht im kalten Badesee im Winter) und den Hund anschließend gut abtrocknen und warm halten. Beim Hydrotherapie-Unterwasserlaufband wird dasselbe Prinzip professionell eingesetzt.

Kann ich Arthrose beim Hund vorbeugen?

Vollständig verhindern lässt sie sich nicht – aber das Risiko und den Schweregrad kann man deutlich beeinflussen: (1) Normalgewicht halten – der wichtigste Faktor! (2) Welpen nicht überbelasten – keine langen Läufe oder Sprünge bis zum Wachstumsabschluss. (3) Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen – besonders bei Rassen mit erhöhtem Dysplasierisiko. (4) Hochwertige Ernährung mit ausreichend Nährstoffen für gesunde Gelenke. (5) Verletzungen konsequent behandeln – auch nach scheinbar heilem Kreuzband das Gelenk langfristig beobachten.

Was kostet die Behandlung von Arthrose beim Hund?

Die Kosten richten sich nach der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte) und hängen vom Stadium der Arthrose, dem Behandlungsumfang und den gewählten Therapiemaßnahmen ab. Von der einfachen Schmerztherapie bis zur kombinierten Behandlung mit Physiotherapie und Spezialdiät gibt es viele Möglichkeiten in verschiedenen Preisspannen. Wir beraten Sie gerne individuell und finden gemeinsam die beste Lösung für Ihren Hund und Ihr Budget.

Ihr Hund zeigt Anzeichen von Arthrose?

Je früher wir eingreifen, desto besser können wir den Verlauf bremsen und Schmerzen lindern. Warten Sie nicht, bis Ihr Hund stark leidet – frühe Therapie macht einen riesigen Unterschied!

Unsicher, ob es Arthrose ist? Rufen Sie an – wir beraten Sie gerne!

Kleintierpraxis Paderborn:
05251/8786101
klinik.dk@gmx.de
Mo-Fr: 10-11:30 & 17-19 Uhr | Sa: 11-12 Uhr

Denken Sie daran: Arthrose ist kein Schicksal, das Ihr Hund einfach erdulden muss. Mit der richtigen Therapie bleibt er aktiv und lebensfroh!

Ihre Tierärztin Dorothea Kornat
Kleintierpraxis Paderborn